Pferdefreunde
Hengsthaltung

"Ich besitze einen Hengst." Klar. Das klingt schon mal viel cooler als "Ich besitze eine Stute namens Candy ...". Einfach weil Hengste nun einmal als "cool" gelten. Wer mit ihnen umgehen kann, der ist auch "cool". Ostwind ist ja schließlich auch ein wilder schwarzer Hengst, oder? Aber sind Hengste eigentlich wirklich so viel anders als Stuten oder Wallache? So viel schwieriger?
Natürlich ist es wieder mal sehr individuell. Manche Stuten sind zickiger als andere, manche Wallache sind wieder anders als andere ... es kommt selbstverständlich sehr viel auf das Pferd selbst an. Doch im Allgemeinen ... ja, der Umgang mit Hengsten kann ganz schön kompliziert sein, unter anderem, weil sie so "hormongetrieben" sind. Dadurch sind sie schon mal sehr viel temperamentvoller. Was ja auch verständlich ist, sie müssen die Stuten ja auch auf sich aufmerksam machen und ihnen imponieren. Und im Allgemeinen kann man ein "Hengstverhalten" auch nicht einfach austreiben. Was man aber sehr wohl machen kann, ist mit ihnen konsequent, aber liebevoll umzugehen, sodass der Umgang mit ihnen dann doch nicht so kompliziert ist.
Zugegeben, Hengste sind besonders edel. Sie haben fast alle schöne, elegante Bewegungen und zeigen gerne, was sie drauf haben. Doch nicht alle Hengste sind so temperamentvoll und kompliziert. Klar, viele sind sehr impulsiv, und nur etwas für wahre Pferdekenner, da sie schon allein ihr Hengstverhalten zeigen müssen, wenn sie zehn Meter entfernt eine Stute sehen. Da muss man sich dann einfach durchsetzen können und dem Hengst ganz klar sagen müssen, wer der Boss ist.
Es gibt aber auch Hengste, die im Umgang einfach sind. Das soll nicht heißen, dass man beim Umgang mit Hengsten nicht immer aufpassen muss, denn das stimmt nicht, wenn man einen Hengst am Führstrick hat, muss man immer wachsam sein. Es kann jederzeit sein, dass er in einer unachtsamen Minute den Führstrick aus deiner Hand zieht und sagt "Auf Wiedersehen, ich besuche mal die Stute dort drüben". Und Pferde haben Kraft. Das heißt mit deiner Körperkraft kannst du eindeutig nichts ausrichten. Trotzdem gibt es Hengste, die im Umgang sehr brav sind, und die man ohne Probleme neben einer Stute anbinden kann - auch wenn man das vermeiden sollte. Genauso wie das Gegenteil der Fall ist, dass ein Hengst sich schon so schlimm verhält, dass es irgendwann schon ungesund für ihn ist, wenn oft Stuten zum Beispiel an seiner Box vorbeikommen, weil er sich dann immer so fürchterlich aufregt.
Auch beim Reiten können Hengste schwierig sein. Einfach weil sie einen meist mehr "herausfordern" als andere Pferde. Sie "testen" ihren Reiter, das heißt sie schauen, wer in Wahrheit der Ranghöhere ist. Und auch da hilft wieder mal nur liebevolle Konsequenz. Wichtig ist auch, ein selbstbewusstes Auftreten von Anfang an zu haben. Wenn man die Box des Hengstes betritt und mit hängenden Schultern ohne jegliche Aufrichtung und ohne Selbstvertrauen auf ihn zu schlürft, wird er sich das merken und sich dementsprechend beim Reiten verhalten. Somit spielt die Ausstrahlung beim Umgang mit Hengsten eine besonders wichtige Rolle. Man muss ihnen klar machen, dass der Mensch ranghöher ist und sie trotzdem voller Liebe behandeln.

Auch spät kastrierte Wallache zeigen oftmals noch ein Hengstverhalten. Generell gilt: "Umso später kastriert, umso mehr Hengst." Deshalb werden Hengste, die keine Zuchthengste werden sollen, ziemlich früh kastriert, auch um unnötige Komplikationen zu vermeiden, denn das Risiko steigt immer weiter an. Hengste werden im Alter von etwa 12 bis 16 Monaten bereits geschlechtsreif.
Auch die Hengsthaltung ist oft ein großes Thema. Den ganzen Tag in einer kleinen Box verbringen zu müssen ist schließlich gar nicht schön. Deshalb ist es artgerecht, Paddockboxen zu haben, wo die Hengste zumindest hinaus in die frische Luft können. Ein Stück abgegrenzte Koppel im Sommer ist natürlich besonders schön.
Es gibt Hengste, die auch sehr daran leiden, alleine ohne Artgenossen zu leben. Das ist allerdings ein sehr kompliziertes Thema. Hengste werden im Alter von etwa 12 bis 16 Monaten geschlechtsreif und früher, als sie noch Wildpferde waren, hat der Hengst - eine Herde bestand aus Leitstute, Hengst, weiteren Stuten und deren Nachkommen - immer dann, wenn er gemerkt hat "Jetzt wird es gefährlich, jetzt machen mir die Junghengste bald meinen Rang streitig!", die Junghengste aus der Herde vertrieben, die sich daraufhin ihre eigene Herde "suchen" mussten. Somit ist ein stetiger Konkurrenzkampf zwischen zwei Hengsten. Das beantwortet die Frage: "Es ist klar, dass ein Hengst nicht zusammen mit einer Stute stehen kann, aber warum werden nicht mehrere Hengste zusammen gehalten?" Aber Vorsicht! - es gibt auch Ausnahmen. In ganz seltenen Fällen ist es möglich, zwei Hengste gemeinsam zu halten. Das zu probieren, birgt aber Risiken mit sich, also machen es die wenigsten, denn es können mitunter auch Knochenbrüche beim Kämpfen Folgen sein.
Was man dafür versuchen kann, ist, einen Hengst und einen Wallach gemeinsam zu halten. Auch das klappt nicht immer, aber es ist sehr viel leichter als zwei Hengste gemeinsam zu halten. Trotzdem akzeptiert nicht jeder Hengst auch noch einen Wallach. Es ist und bleibt ein sehr kompliziertes Thema. In manchen Fällen treten auch erst nach ein paar Tagen, in denen der Hengst und ein weiteres Pferd zusammenstanden, Komplikationen und Unverträglichkeiten auf.
Somit ist es also eindeutig artgerecht, einen Hengst, der nicht zum Decken eingesetzt wird, zu kastrieren.